Suche
  • Nicole Kohlmann

Focus

„Ich komme heute leider nicht zum Yoga, mir geht es nicht gut.“


Es ist Montag nach meiner Panikattacke. Ich weiss nicht wieso ich sie hatte?! Doch. Ich hatte Angst. Ich hatte einen Plan. Es ging ums Ganze. Ich habe es mir allerdings nicht erlaubt.

Es ist Dienstag, der 18.02.2020. Mein Geburtstag. Ich werde 31 Jahre.

Schon um kurz nach Acht saß ich in einem Zimmer im zweiten Stock im Mannlehenweg bei der Agentur für Arbeit. Die Dame der Abteilung für Rehabilitation schlug mir erneut ein Berufsförderungszentrum/-werk vor und ich teilte ihr freundlich mit, dass sie diese Option definitiv streichen könne, da es auf keine Fall passieren wird, dass ich in so etwas Lebe.

Ich unterbreitete ihr einen Teil von meinem Plan mit einer evtl. Weiterbildung und sie blickte mich ganz skeptisch an, holt noch einmal Luft und fing stockend an mir zu erklären, dass sie nicht wisse in wie weit ein Gutachter es für möglich halte in so einem Umfeld zu arbeiten.

Was??? Da war er wieder, der Stempel für psychisch kranke. Ich weiss ja das sie viele Menschen bedienen müssen und sich an vorgaben, an einen Katalog halten sollen, müssen, können, wollen. Es fühlte sich trotzdem so falsch an. Ich war absolut fehl am Platz und dachte mir, wenn das die Art von Unterstützung ist die ich bekomme, dann möchte ich sie nicht. Das kann ich nicht. Die Dame war wirklich sehr freundlich, da sind mir schon andere unter gekommen, trotzdem war ich wütend und traurig. Vor allem aber habe ich für oder mit anderen Menschen gelitten, die noch nicht die Kraft und den Mut besitzen und auch nicht die Unterstützung von liebenden Menschen haben, um es einfach alleine durchzuziehen. Gleichzeitig bin ich so dankbar und stolz auf mich das ich die Kämpferin in mir habe. Die Nicole, die nicht aufgibt. Die Nicole die für sich selbst einsteht.

Im letzte Jahr habe ich so viele Meinungen, Ratschläge, Erfahrungen gehört von Ärzten, fast Fremden, Bekannten, Freunden und Familie. Ich dachte andauern darüber nach was richtig oder falsch ist. Diese Frage war so quälend für mich. Meine Schultern und mein Nacken waren so sehr verspannt, das ich meinen Kopf nicht bewegen konnte, ich starke Kopfschmerzen hatte und nur noch liegen wollte. Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass es nicht darum geht was die Mehrheit denkt, sagt oder rät. Es geht nicht darum die passende Antwort auf richtig oder falsch zu finden.

Es geht darum, eine Entscheidung zu treffen die sich gut anfühlt, die aus dem Bauch heraus kommt und mir sinnvoll erscheint. Ich bin der einzige Mensch der mit dieser Entscheidung zurecht kommen „muss“. Mehr oder weniger, ich denke bei meinen Entscheidungen natürlich an meinen Partner, aber wie heisst es so schön: „happy wife, happy life.“

Dieser Termin bestätigte mich also in meinem Vorhaben noch mehr.

Es ist Mittwoch und ich war schon ganz hippelig, immer irgendwie angespannt und nicht ganz bei der Sache. Ein Glück dass wir mit guten Freunden essen waren und meinen Geburtstag sowie den 11.111 Lebenstag meiner Freundin N. auf dieser Welt gefeiert haben.

Es ist Donnerstag und der Termin bei meinem Facharzt stand an. Ein paar Stunden vor dem Termin, hatte ich Bauchkrämpfe, Herzklopfen, Schweissausbrüche was noch okay für mich war. Es ging schließlich um etwas mit großem Wert für mich. Ich ging los und wollte meinem Schatz noch bescheid geben.

Meine Nachricht an ihn lautete: „ICH HOL MIR JETZT MEIN LEBEN ZURÜCK.“

Ich kam, überzeugte und hab bekommen was ich wollte. Fvck ja.

Der Termin auf der Arbeit einen Tag später verlief genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Ich fühle mich gut. Ich bin glücklich. Ich bin aufgeregt im positiven Sinne. Ich freue mich so sehr. In drei Wochen fange ich wieder das Arbeiten an. Ich habe nur auf mich gehört. Ich glaube an mich. Ich habe Menschen die mich unterstützen und ich werde sehen was die Zeit mit sich bringt.

Gestern Abend habe ich schließlich der Dame vom Amt noch geschrieben:


Sehr geehrte Frau M.,


ich wollte ihnen nur mitteilen, dass ich meinen Reha-Antrag zur Teilhabe am Arbeitsleben zurück ziehe.

Dies habe ich auch schriftlich an die Postanschrift nach Coburg gesendet.

Ich bedanke mich bei ihnen für die Zeit und Beratung.

Ich habe jedoch für mich festgestellt, dass die mir angebotenen Möglichkeiten der Agentur für Arbeit nicht das richtige für mich sind.

Ich habe mich entschieden, meinen eigenen Weg zu gehen.


Mit freundlichen Grüßen



Ich habe meine Entscheidung getroffen.

Das Abenteuer kann beginnen.

Ich bin bereit.

Ich hab mein Leben zurück.


Deine Nicole

7 Ansichten0 Kommentare
 

©2020 wunderwege. Erstellt mit Wix.com

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now