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  • Nicole Kohlmann

Übergeben

Es dreht sich. Es wirkt verschwommen. Es ist alles so weit weg und irgendwie gar nicht real. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, habe ich ca. für eine Stunde gedacht, dass das was gestern Abend war, die Gefühle die ich empfunden habe und die Gedanken die ich hatte, Erinnerungen aus einem schlechten Albtraum sind. Es ist mitten am Tag und ich weiss ich stecke wieder fest. Ich bin gefangen in meinem eigenen Albtraum. Ich möchte aufwachen bitte. Aber ich fühle mich so schwach, meine Energie ist ausgesaugt, meine Stimmung ist gedrückt, ich erlaube mir aber nicht zu weinen, ich denke ununterbrochen darüber nach wie viel Angst ich doch habe und nehme jedes noch so kleines Zwicken, Pochen, Ziehen, Klopfen in und an meinem Körper wahr. Schwindel, dann der Kontrollgriff an meinen Hals - Rechts und Links, um meine Lymphknöten abzutasten. Könnte das wieder ein Anzeichen für meinen Abszess sein. Oder schlimmer?? Ich möchte es garnicht denken, aber es ist da. Zwischenrein sage ich mir wieder „ich bin gesund und werde es bleiben“, mache Atemübungen um ganz bei mir zu sein, mache Meditationen um meine inneren Selbstheilungskräfte zu aktivieren und dann sticht es wieder leicht, wenn ich meine Spucke herunterschlucke.

Ich trinke viel, wobei das untertrieben ist. Ich schütte mich mit Wasser und Tee zu und trinke meine 4 bis 5 Liter. Ich nehme mein Vit C, nehme meine CBD Tropfen, esse Obst, achte vermehrt auf Mundhygiene, nehme die vom Arzt empfohlen Tabletten und versuche mich auszuruhen. Ich wandere hin und her, vom Sofa zum Sessel, dann wieder auf die Couch, ins Bett, kurz raus in die Sonne, wieder Couch, um letzt endlich wieder im Bett zu landen und diesen Text hier zu tippen. Gerade fühlt es sich gar nicht so schlecht an, weil ich meine Gedanken heraus lassen kann. Neben meinen panischen, wirren Gedanken zum Thema, dass mir etwas fehlt und zwar meine Gesundheit, kommen die Gedanken zum Thema Arbeit. Ich bin in meiner dritten Woche der Wiedereingliederung und schon wieder krank. Toll, was denken denn da die anderen?! Ich formuliere die Frage mal etwas um: „Was denke ich darüber?“ Habe ich wieder versagt? Warum muss mir das ausgerechnet jetzt passiere? Naja, weil das Leben halt passiert! Hier und jetzt! Hör auf zu jammern! Herzlich Willkommen. Da sind sie wieder, die Gegensätze. Ich hätte aber gerne einen Zustand des Annehmens. Keine Bewertung.

Ach und bevor ich es vergesse. Neben fraglicher Gesundheit und Arbeit gibt es doch noch das Thema Corona-Virus. Ja, irgendwie mache ich mir da auch Gedanken. Was mit den Mensch passiert, die in den Flüchtlingslagern festsitzen und sich der Virus weiter ausbreitet? Ich weiß

nicht ob das Wort „Flüchtlingslager“ politisch korrekt ist, wenn nicht, belehrt mich gerne. Dann mache ich mir Gedanken über meine Oma oder ältere Leute generell, die viel weniger Ansprache bekommen, weniger Bewegung haben, weniger Sonne, weniger körperliche Nähe, weniger ihren Kopf anstrengen müssen, da es im Alltag zu Hause kaum Herausforderungen gibt. Ich denke an die Mensch die durch eine psychische Krankheit vorbelastet sind und aktuell keine persönlichen Termine bei ihren Therapeuten wahrnehmen dürfen, sondern übers Telefon oder Videoanruf. Was ist mit den Kindern, die ebenfalls keinen oder kaum Kontakt zu gleichaltrigen oder älteren Kindern haben und somit ebenfalls weniger Herausforderungen haben oder Vorbilder, an denen sie sich orientieren können um Gesehenes zu erlernen und nachzuahmen. Was ist mit den Menschen, die schon vor Corona unter häuslicher Gewalt gelitten haben und durch die Ausgangssperre gefangen sind? Keine Arbeit hinter der sie sich verstecken können, kein Verein der einen Zufluchtsort für wenige Stunden bietet und die Gedanken bei Seite schiebt, keinen Tee oder Kaffee bei der besten Freundin, die Mut macht, auffängt und halt bietet. Bei so vielen Gedanken wird mir gleich wieder schwindelig. Draußen scheint noch die Sonne und ich höre gerade ein paar Vögeln beim zwitschern zu.

Es ist heute vielleicht nicht so ein vielversprechender Text wie sonst. Wobei das auch nur wieder eine Bewertung von mir ist, angelehnt an irgendwelchen tollen Beiträgen, von Leuten mit 100.000 Follower die eh besser Schreiben als ich. Heute möchte ich einfach Jammern dürfen. Heute brauche ich es um diesen ganzen Ballast los werden zu können.

Trotzdem, bin ich dankbar.

Dankbar dafür, meinen Körper spüren zu können.

Dankbar dafür, zu fühlen.

Dankbar dafür, dass es mir um meine Mitmenschen geht.

Dankbar dafür, das hier schreiben zu können und auf meinem Blog zu "verbannen".

Dankbar dafür, Mundschutz nähen zu können.

Dankbar dafür, zwar Angst zu haben und dennoch so unglaublich ehrlich zu sein, weil ich einfach nicht anders kann.

Bleib gesund und das Wünsche ich mir für dich von ganzem Herzen.

Tschau Nicole

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